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Therapie und Verbeamtung: Warum ein hartnäckiges Gerücht so viel Schaden anrichtet

Sita Haunschild | 02. Juni 2026

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Therapie und Verbeamtung: Warum ein hartnäckiges Gerücht so viel Schaden anrichtet

Gesundheit und Selbstfürsorge


Lesedauer ca. 5 Minuten · Für alle Fächer und Schularten


Irgendwann kommt das Gespräch fast immer. Im Seminar, in der Pause, unter Referendarinnen und Referendaren, die sich gerade erst kennenlernen. Jemand erwähnt Stress, Schlafprobleme, das Gefühl, nicht mehr richtig abschalten zu können. Und dann sagt jemand den Satz, der alles überschattet: Pass bloß auf, was du dir aufschreiben lässt. Wer zur Therapie geht, wird nicht verbeamtet.


Das Gerücht - Ein Satz, der Menschen von Hilfe abhält

Dieses Gerücht hält sich seit Jahren in Seminaren, Foren und Flurgesprächen. Es sorgt dafür, dass Menschen, die Unterstützung bräuchten, sie sich nicht holen. Und es basiert auf einer Annahme, die so pauschal schlicht nicht stimmt. In diesem Beitrag schauen wir genauer hin: Was wird bei der Verbeamtung wirklich geprüft und was hat Therapie damit tatsächlich zu tun?


Das Gerücht im Wortlaut

"Pass bloß auf, was du dir aufschreiben lässt. Wer zur Therapie geht, wird nicht verbeamtet." Dieser Satz ist falsch. Und er schadet.


Der Kontext - Der Einstieg, der mehr fordert als erwartet

Das Referendariat ist für viele die erste Phase, in der Belastung wirklich spürbar wird. Unterricht vorbereiten, halten, reflektieren, Seminaranforderungen erfüllen, beobachtet und bewertet werden, dabei noch irgendwie man selbst bleiben. Das läuft alles gleichzeitig, von Anfang an, ohne große Eingewöhnungszeit. Hinzu kommt der soziale Druck. Wer zeigt, dass es schwierig ist, wirkt schnell so, als wäre er oder sie dem Beruf vielleicht nicht gewachsen. Also hält man durch. Redet nicht. Funktioniert. Dieses Muster ist im Lehrerberuf weit verbreitet und es beginnt oft genau hier, im Referendariat.


Was wirklich geprüft wird - Die entscheidende Frage und warum sie eine andere ist

Die Sorge ist nachvollziehbar. Wer weiß, dass zur Verbeamtung eine amtsärztliche Eignungsprüfung gehört, denkt schnell: Bloß keine Therapieakte, bloß keine Diagnose. Aber dieser Schluss greift zu kurz. Denn bei der Prüfung geht es nicht darum, ob jemand irgendwann einmal Unterstützung gesucht hat. Die entscheidende Frage ist eine andere:

"Ist diese Person zum jetzigen Zeitpunkt in der Lage, den Beruf dauerhaft auszuüben?"


Das Gerücht: Therapie führt automatisch zur Ablehnung bei der Verbeamtung.

Die Realität: Geprüft wird die aktuelle Dienstfähigkeit, nicht die Frage, ob man jemals Hilfe gesucht hat.



Das Gerücht: Eine Diagnose in der Akte ist ein dauerhaftes Hindernis.

Die Realität: Eine abgeschlossene oder gut begleitete Therapie kann ein Zeichen von Stärke und Selbstverantwortung sein.



Das Gerücht: Wer keine Hilfe sucht, hat keine Probleme -- und bessere Chancen.

Die Realität: Unbehandelte Erkrankungen, die sich verfestigen, sind das eigentliche Risiko, nicht die Therapie selbst.



Das Paradox - Wie das Gerücht genau das verursacht, was es verhindern soll

Eine abgeschlossene oder gut begleitete Therapie ist kein Hindernis. Sie kann sogar das Gegenteil sein. Sie zeigt, dass jemand Belastungen ernst nimmt, reflektiert damit umgeht und aktiv daran gearbeitet hat, stabil zu bleiben. Das sind keine Schwachstellen. Das ist Verantwortungsbewusstsein. Was hingegen langfristig tatsächlich problematisch werden kann, sind unbehandelte psychische Erkrankungen, die sich über Jahre verfestigen. Wer aus Angst vor Konsequenzen keine Hilfe holt und dadurch in eine tiefere Krise gerät, steht am Ende vor einem weit größeren Problem, auch im Hinblick auf die Verbeamtung.


Das Paradox

Die Angst, sich durch Therapie zu schaden, führt paradoxerweise genau dorthin, was eigentlich vermieden werden soll.


Was das konkret bedeutet - Nicht warten. Nicht durchhalten. Handeln.

Niemand muss das Referendariat perfekt überstehen. Niemand muss dauerhaft belastbar wirken oder alle Anforderungen kommentarlos wegstecken. Der Beruf verlangt viel, umso wichtiger ist es, sich selbst als Teil dieser Gleichung ernst zu nehmen.

Wer merkt, dass die Belastung zunimmt, sollte nicht warten. Nicht bis nach dem Referendariat, nicht bis nach der Verbeamtung. Therapeutische Unterstützung früh zu suchen ist kein Risiko. Es ist eine der vernünftigsten Entscheidungen, die man in dieser Phase treffen kann. Wer rechtliche Unsicherheiten hat oder wissen möchte, was im eigenen Fall gilt, kann das Gespräch suchen, mit dem Hausarzt, einer Beratungsstelle oder direkt mit einem Fachanwalt für Beamtenrecht. Entscheidungen auf Basis von Halbwissen und Flurgesprächen zu treffen ist selten klug. Vor allem dann nicht, wenn es um die eigene Gesundheit geht.


Psychische Gesundheit ist keine Randnotiz

Psychische Gesundheit ist keine Randnotiz im Lehrerberuf. Sie ist die Grundlage dafür, ihn dauerhaft gut ausüben zu können und dieser Grundsatz gilt nicht erst ab dem ersten Schultag als verbeamtete Lehrkraft, sondern bereits jetzt.



Dieser Artikel wurde von Sita Haunschild verfasst


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